Mme. L'Herminier-Ponteuil
Jean-Baptiste Jacques Augustin
Als die Schauspielerin Madame L' Herminier, geborene Ponteuil,1 1821 ihr Porträt bei Augustin malen ließ, war der Künstler bereits über sechzig Jahre alt und malte nur noch wenige Privatpersonen.2 Er musste es hinnehmen, als Miniaturist sowohl den Ruhm wie auch den Großteil der Kundschaft zunehmend jüngeren, zeitgemäßeren Künstlern zu überlassen, von denen er selbst einige ausgebildet hatte. Augustins exakte Zeichnung und seine in der Feinheit der Technik alle überragende Malweise waren nicht mehr gefragt und galten nach der Verabschiedung von Jacques-Louis Davids strengem Klassizismus als veraltet. Augustin malte in diesen Jahren zwar noch Persönlichkeiten wie den Duc de Berry, Charles X, die Duchesse d' Angoulême und den künftigen König Louis-Philippe, doch ist die im frühen Werk präsente, fröhliche Frische aus den Gesichtern der Modelle verschwunden und einem etwas kraftlosen, melancholischen Ausdruck gewichen. Die Enttäuschung des jahrzehntelang als Miniaturist gefeierten und nun unpopulär gewordenen Künstlers scheint sich in ihnen zu spiegeln.
Über die Schauspielerin L' Herminier-Ponteuil geben die biographischen Lexika ebenso wie die Nachschlagewerke der Pariser Fachbibliotheken keine Auskunft.3 Möglicherweise war die Künstlerin verwandt mit einem am Anfang des 18. Jahrhunderts in Paris lebenden Schauspieler Ponteuil und identisch mit der Pariser Sängerin Ponteuil, die im Roman "Germinie Lacerteux" der Brüder Goncourt 1865 erwähnt wird.4 Vielleicht war sie Amélie Clémentine Hélène Félicité Honorine Rose Tribouillet Ponteuil, die Gattin von Jean Nicolas Lerminier.
B. P.