The Tansey Miniatures Foundation

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Amable-Gabrielle de Noailles, Duchesse de Villars, als Heilige Genoveva

Jean-Daniel Welper (zugeschrieben)

Amable-Gabrielle de Noailles, Duchesse de Villars (1706 - 1742),1 gehörte zum weiblichen Hofstaat von Königin Maria Leszczynska, der Gemahlin König Ludwigs XV. von Frankreich. 1721 hatte sie Honoré-Armand de Villars (1702 -1770), Duc de Villars, geheiratet, der jedoch kaum mit ihr zusammenlebte. Er machte eine Militärkarriere, wurde Mitglied der Académie Française und ein Gönner Voltaires. Die Duchesse de Villars wurde 1727 zur dame du palais ernannt, 1742 erhielt sie den Rang einer dame d'atours,2 d. h. sie war für die Toilette - das Ankleiden, Frisieren und Schminken - der Königin zuständig. Sie nahm eine wichtige Rolle am Hofe ein, galt als geistvoll und wurde von der Königin sehr geschätzt.
Aus einer Liebschaft mit Jean-Philippe-François d' Orléans, einem unehelichen Sohn Philipps I., Duc d' Orléans, entstammte die Tochter Amable-Angélique de Villars.
Das aus der antiken Literatur stammende Thema Arkadiens als Schauplatz idyllischen Landlebens wurde seit der Renaissance von der Literatur und seit dem 16. Jahrhundert in der Malerei adaptiert. Als Schäferspiel und -oper eroberte es auch die Bühne. Galante Schäferspiele waren Teil der Hofkultur des Rokoko, besonders in Frankreich und Deutschland. Man wollte der Last der höfischen Etikette entfliehen und sah in dem naturverbundenen Dasein der Hirten das Ideal eines unbeschwerten Lebens, das in einer stilisierten Kopie ländlichen Lebens nachempfunden wurde. In ihrer Darstellung verknüpfte die Duchesse de Villars dieses Ideal mit einem religiösen; sie ließ sich als Heilige Genoveva malen.  
J. S. O.

1 Ihre Identität ist gesichert durch ein im Musée de Tesse, Le Mans (Inv.-Nr. 10.123) befindliches Gemälde französischer Schule, das die Duchesse de Villars ebenfalls als Schäferin (oder Heilige Genoveva), allerdings in entgegengesetzter Körperhaltung und mit Spinnrocken, zeigt. Vgl. auch weitere Versionen des Gemäldes: Christie's London, 1.3.1985, Nr. 115; Palermo, Sarno, 21.-23.10.2021, Nr. 370 (später bei Chalais, Galerie AhTypique, Ref. Nr. 1009567) und Paris, Drouot, Massol, 12.10.2005, Nr. 14. Gesicht und Kleidung dieser Darstellungen stimmen im Wesentlichen überein. Anstelle des Spinnrockens hält die Dame in einigen Gemälden aber ein Buch. Von dieser Version schuf Jacques Tardieu einen Kupferstich. Eine rechteckige Miniatur, Welper zugeordnet, zeigt die Dame (Mme d'Houditot?) mit Buch und ist dem Werk in der Sammlung Tansey sehr ähnlich, wenn auch nahezu seitenverkehrt (Christie’s South Kensington, 12.5.1998, Nr. 99). Eine weitere Miniatur kopiert das Gemälde im Musée de Tesse: Paris, Drouot (Artcurial), 27. 9. 2023, Nr. 646. Wir danken Jean-Jacques Petit, Paris, und Ólafur Thorvaldsson, Cambridge, für ihre Hinweise.
2 Martin 1993, S. 74-76.