Herr mit blau-rotem Umhang
Benjamin Arlaud
Auch in diesem Werk, das Benjamin Arlaud vermutlich im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts in England malte, war es dem Künstler wichtig, das Modell mit einem Ausdruck von Überlegenheit darzustellen. Zu diesem Zweck blickt es von leicht erhöhter Position auf den Betrachter; so entsteht der Eindruck, als würde der Dargestellte auf den Bildbetrachter herabsehen. Die Augen halb geschlossen, wirkt der Dargestellte souverän und scheinbar durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Er widmet seine Aufmerksamkeit ganz seinem fiktiven Gegenüber, dem einstigen Adressaten der Miniatur. Im Barock musste sich der Bildnismaler oft weniger an der Wirklichkeit orientieren als an der gewünschten Erscheinung seines Auftraggebers. Nicht nur die »Kulisse« im Hintergrund entsprang der Phantasie, sondern häufig auch Kleidung und Accessoires. Die Wahl wurde schließlich durch verschiedene Faktoren bestimmt. Neben ästhetischen Kriterien mussten dabei auch solche des Preises berücksichtigt werden. Der Kunde der vorliegenden Miniatur erhielt ein vergleichsweise »billiges« Gewand, da es keine Musterung besitzt und nur die Schulterpartie zu sehen ist. Die Verwendung des kostbaren Ultramarinblaus fiel bei der kleinen Menge dabei kaum ins Gewicht.