The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Dame in blauem Kleid mit rosafarbenem Umhang

Benjamin Arlaud

Der in Genf geborene Benjamin Arlaud war als Miniaturmaler in Deutschland und England tätig und hinterließ ein recht umfangreiches Oeuvre. Im Unterschied zu seinem Bruder, dem berühmteren Jacques-Antoine, der ebenfalls als Miniaturmaler arbeitete, ist über Benjamins Leben nur wenig bekannt. Geboren um 1670 in Genf als Sohn eines Uhrmachers,1 eignete er sich das künstlerische Können in seiner Heimatstadt an. Sein späterer Lebensweg kann nur in groben Linien nachgezeichnet werden. Er verließ seine Heimat zu einem unbekannten Zeitpunkt, um am Hof des pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm zu arbeiten. Zwei 1706 datierte Porträts des Herrschers und seiner Gemahlin belegen seinen Aufenthalt in Düsseldorf in diesem Jahr. Später war er, wie Schidlof vermutet, in Frankreich tätig, vielleicht auch in Amsterdam, bevor er 1709 nach England auswanderte.2 Aus der englischen Zeit Arlauds sind die meisten seiner Werke erhalten. Er war hier ein erfolgreicher Miniaturist und erlangte sogar den Titel eines königlichen Hofmalers. Sein Todesjahr ist nicht bekannt. Ein 1731 datiertes Porträt von George Wade ist sein spätestes bisher bekanntes Werk. Benjamins Bruder Jacques-Antoine malte 1721 ein Bildnis seiner Gattin Jeanne Marie.3


Das Bildnis der Dame in blauem Kleid entstand während Arlauds Englandaufenthalt. Es zeigt die junge Frau in ruhender Pose und mit gelassenem Ausdruck. Den Kopf leicht abgewandt, blickt sie den Betrachter prüfend an. Kühle Überheblichkeit war eine geschätzte Attitüde im englischen Porträt des Barock. Sie wurde von Künstlern wie Peter Lely und Godfrey Kneller propagiert und von zahlreichen Porträtisten für ihre Modelle übernommen.

B. P.

1 Auf einer 1713 datierten Miniatur (Musée de l’horlogerie, Genf, Inv.-Nr. AD 1381) bezeichnet sich der Künstler allerdings als 31 Jahre alt. Demnach wäre er erst 1682 geboren worden.

2 Vgl. Schidlof 1964, Bd. 1, S. 52.

3 Königliches Hausarchiv, Den Haag. Vgl. Schaffers-Bodenhausen und Tiethoff-Spliethoff 1993, S. 457, Nr. 654.