Dame in weißem Empirekleid vor Waldlandschaft
Henri Albert Adam
In einer weißen Chemise à la grècque mit einer kontrastierenden roten Stola ließ sich diese Dame vor einer Waldlandschaft porträtieren. Der gewählte Hintergrund betont die Attitüde der Natürlichkeit und Ungezwungenheit des Modells. Die frühe Empire-Mode des ersten Jahrzehnts im 19. Jahrhundert verstand sich als Kontrast zur vorrevolutionären Rokoko-Mode mit ihrer überkommenen Steifheit und Künstlichkeit. Sie orientierte sich am antiken Ideal einer von allen Zwängen befreiten natürlichen Form. Entsprechend diesem Vorbild trägt die Dargestellte das ärmellose Kleid aus nahezu durchsichtigem Musselinstoff mit hoch angesetzter Taille.1 Ihr Haar ist locker aufgesteckt mit nach vorn fallenden offenen Locken. Den Kopf bedeckt ein zarter Schleier, der sich einfügt in das Spiel aus Natürlichkeit und Erotik. Das durchscheinende Kleid lässt den Blick auf die rechte Brust des Modells frei, auf die das Auge des Betrachters auch durch eine dünne Perlenschnur gelenkt wird, die um den Arm der Dame gewunden ist.
Während die mit Henri Albert Adam signierten Miniaturen mit Sicherheit von unserem Künstler stammen, ist dies bei den nur mit »Adam«, »Adams«, »Hy. Adam« oder »Hy. Adams« bezeichneten Miniaturen unsicher. Schidlof wies die mit »Adam« be zeichneten Werke dem Emailmaler Isaac Adam (1768–1841) zu.2 Einige besitzen aber so große Ähnlichkeit mit Miniaturen von Henri Albert, dass sie ebenso gut von ihm stammen können. Gemeinsam ist ihnen das leicht stilisiert und geschönt dargestellte Gesicht mit Betonung feiner Gesichtszüge und zartrosigem Inkarnat sowie einem kräftigen Oberlid, dazu die detailreich und differenziert wiedergegebene Kleidung.3
J. S. O.