The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Herr in rotem Rock

Benjamin Arlaud

Benjamin Arlaud malte das Bildnis dieses jungen Mannes in der im 17. Jahrhundert üblichen Technik, in Wasserfarben auf Velin, einem feinen Pergamentblatt. Der Künstler blieb diesem Malgrund treu, selbst in den Werken, die er im 18. Jahrhundert malte, einer Zeit also, in der Elfenbein als Malgrund aufkam. Von Venedig ausgehend, wo Rosalba Carriera das edle Material um 1700 in die Miniaturmalerei einführte, gelangte die neue Technik rasch nach England. Hier wurde sie vom Miniaturmaler Bernard Lens bereits im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts aufgegriffen. Arlaud scheint in der Neuerung hingegen keinen Vorteil erkannt zu haben. Tatsächlich ließ sich Elfenbein schwieriger mit Wasserfarben bemalen als Pergament, da es leicht fettig war und die Farben nur an der Oberfläche hafteten. Weil die transparent auf Elfenbein gemalten Inkarnate aber lebensechter wirkten, setzte es sich als Malgrund schließlich dennoch durch und verdrängte das vorher übliche Pergament.1

Der Herr im roten Rock nimmt eine in Arlauds Werken häufig anzutreffende Pose ein: Den Körper ins Profil gerückt, blickt das Modell zum Bildbetrachter.2 In der Frage der adäquaten Haltung des Dargestellten unterschied der Künstler zwischen Damen- und Herrenbildnissen. Männer präsentieren sich – wie hier – dem Maler meistens in einer Pose, die Selbstbewusstsein, Entschlossenheit und Stolz ausdrückt. Damen malte Arlaud hingegen in einer Stellung, die durch den Wechsel in der Ausrichtung von Kopf und Körper Anmut und eine gewisse Verspieltheit evoziert.
B. P.

1 Zur Entwicklung von Elfenbein als Malgrund vgl. Falconi 2008a; Falconi 2008b; Falconi 2008c.

2 Vgl. ein sehr ähnliches, signiertes und 1707 datiertes Herrenporträt (Sotheby’s London, 10.12.1979, Nr.101).