Dame in braunem Kleid vor antikisierender Landschaft
Jean Pierre Frédéric Barrois
Barrois gehört zu jenen Miniaturisten, die sich nicht scheuten, Pose und Hintergrund für jedes Modell individuell auszusuchen, um eine möglichst große Vielfalt im Ausdruck zu erreichen. Dadurch gelang ihm eine über die formale Abbildung hinausgehende Interpretation des Modells. Das vorliegende Bildnis ist diesbezüglich ein charakteristisches Werk des Künstlers. Die entgegengesetzte Haltung von Körper und Kopf sorgt für kompositionelle Spannung. Die Tracht der Dame lässt eine lokale Kleidungstradition vermuten und deutet zusammen mit den klassischen Bauelementen im Vordergrund und dem Tempel im Hintergrund rechts darauf hin, dass Barrois das Bildnis in Italien ansiedelte. Dieser Hinweis soll als eine tatsächliche oder imaginäre Verwandtschaft zwischen der Dargestellten und dem zu ihrer Zeit idealisierten Land gelesen werden.
Obwohl Barrois ein Schüler Fontallards war, zeigen seine Werke direkten Einfluss von Augustin, und man kann davon ausgehen, dass er dessen Miniaturen studierte und übungshalber kopierte.1 Barrois' Selbstbildnis, ein Meisterwerk psychologischen Ausdrucks, zeigt einen jungen Mann voller Energie und Willenskraft.2
B. P.