Victoire de la Grange
Nicolas Allais, genannt Hallé
Dieses Porträt einer nicht näher bekannten Victoire de la Grange ist dem Miniaturmaler Nicolas Hallé zuzuordnen. Hallés Werke sind zwar nur sehr selten signiert, doch zeigen sie eine eigentümliche, leicht wiederzuerkennende Malweise: Die Gesichtszüge sind sehr präzise und scharf modelliert, das Gesicht ist häufig dem Betrachter frontal zugewandt, und die Kleidung wirkt durch auffallend kontrastreich gesetzte Lichter beinahe metallisch. Weitere Kennzeichen seines Stils sind ein durch die schmale braune Lippentrennlinie zusammengepresst wirkender Mund und auffallend rote Akzente in den Augenwinkeln.
Durch seine sehr feine Pinselführung und die Wiedergabe selbst feinteiligster Details unterscheidet sich Hallés Malweise deutlich von der Halls, der einen breiten Farbauftrag bevorzugte und Details vernachlässigte. Die beiden Miniaturmaler kannten sich und waren sich ihrer sehr ähnlichen Namen bewusst. Hall beklagte sich einmal darüber, nachdem eine peinliche Verwechslung stattgefunden hatte. Hallés Frau hatte ein Jahr nach dem Ausbruch der Französischen Revolution angeblich von ihrer Opernloge aus Äpfel auf patriotisch gesinnte Mitbürger geworfen, beschuldigt wurde daraufhin aber die Frau Halls.1
Man kennt eine ganze Anzahl von Werken Nicolas Hallés, aber nur sehr wenige signierte.2 Der Duc de Penthièvre (1725–1793) scheint mit seinen Arbeiten sehr zufrieden gewesen zu sein, denn es sind mehrere Miniaturen des Künstlers bekannt, die diesen unehelichen Enkel Ludwigs XIV. darstellen.3
B. P.