Dame mit orangefarbenem Schal und Hut
Pierre-Charles Hénard
Pierre-Charles Hénard arbeitete als Miniaturist in Frankreich, England und in den USA. Sein Porträt einer Dame in cremefarbenem Kleid mit einem orangefarbenen Schal ist in mehrerer Hinsicht charakteristisch für diesen Künstler, bei dessen Malweise englischer Einfluss besonders in der raschen und dünnen Aquarellmodellierung im Gesicht erkennbar wird. Der Hintergrund ist in dunklen Gouachetönen gehalten, die durch zwei hellere Flächen aufgebrochen sind, in denen sich Ansätze einer Parkgestaltung mit Bäumen erkennen lassen. Hénard stellte seine Modelle gern mit leicht geneigtem Kopf und mit großen ausdrucksvollen Augen dar, denen ein verträumter, schwärmerischer Blick eigen ist. Auch der farbige Schal, von zwei rotbraunen Streifen gesäumt, kehrt oft bei diesem Künstler wieder.1
Um 1792 waren in der Hutmode wieder Kopfbedeckungen mit kleinerer Basis modern. Der Hutteller überragte nicht mehr den gesamten Kopf, wurde aber dafür mit verschiedenen Aufbauten aus Tüll, Schleifen, Spitzen und Blumen verziert. Die Dame Hénards trägt auf dem cremefarbenen Hut eine große, mehrfach gebundene schwarze Schleife, die sich von dem dunklen Hintergrund im oberen Bereich durch zarte aufgesetzte Lichter abhebt und im unteren Bereich von der geschickt platzierten hellen Hintergrundfläche gehalten wird.
Das Gesicht der Dame zieht den Blick des Betrachters unmittelbar an, so dass erst auf den zweiten Blick die erotische Komponente des Bildes, die entblößte rechte Brust, auffällt, deren blasser Hautton in den des Kleides übergeht.
J. S. O.