Dame mit Maske (Mme Parabère?)
André Claude Martin Lefèvre d'Orgeval (zugeschrieben)
Die junge, auf der Rückseite der Miniatur als Mme Parabère, Mätresse von Ludwig XV.,1 bezeichnete Dame trägt in dieser Miniatur ein goldbesticktes grünes Kleid, das reich mit Perlenschnüren verziert ist, und Perlenketten zieren auch Haare, Hals und Handgelenke. Die breit gestreiften Ärmel zeigen Einflüsse der italienischen Mode. Das rosafarbene Tuch, das die Dargestellte bauschend umspielt, ist am Dekolleté mit einem großen glitzernden Stein befestigt. Die verschiedenen Farben des Gewandes - Rosa, Grün, Gelb und Weiß -, der überreiche Schmuck, die Musterung der Ärmel und nicht zuletzt die Maske in der Hand der Dame geben zu verstehen, dass sie sich in einer Verkleidung darstellen ließ. Wird hier auf einen Maskenball angespielt, der mit dem Bildnis in Erinnerung gerufen werden soll, oder entsprang die Maskerade der Phantasie des Künstlers? Das Attribut einer Maske ist in Damenporträts des 18. Jahrhunderts keine Seltenheit und hatte den Zweck, den Reiz der Darstellung zu erhöhen. Das Abnehmen der Maske und das Erkennen der dahinter versteckten Person ist beim Ball ein Moment voller Spannung. Darüber hinaus wird mit der Tatsache kokettiert, dass ein Gesicht, wenn es zuvor von einer ausdruckslosen, braunen Lederlarve verdeckt wurde, nach deren Entfernung umso reizvoller erscheint. Auch will die Dame dem Adressaten der Miniatur mit dieser Darstellung zeigen, dass sie ihm offen gegenübertritt und nichts vor ihm verbirgt.
Der unbekannte Miniaturmaler setzte die Darstellung mit großem Geschick in das Rund: der linke Arm der Dame führt harmonisch am Bildrand entlang, und der rechte Arm scheint sich mit dem Ellenbogen darauf abzustützen. Das Haupt ist vor blauem Himmel gemalt, der seitlich in unaufdringlicher Symmetrie von Bäumen begrenzt wird.
B. P.