Dame in Chemisenkleid mit blauen Bändern
Deutsch
Eine junge Frau in luftigem Chemisenkleid sitzt an einem Tisch vor einer Tasse Schokolade. Sie stützt sich mit vor dem Körper verschränkten Armen auf die Tischplatte. Ihre rechte Hand hat sie in den linken Ärmel gesteckt. Das Haar ist unordentlich frisiert. Zwar trägt sie eine gepuderte Perücke, doch haben sich Strähnen daraus gelöst und fallen der Dame offen über die linke Schulter. Es scheint,als wäre die Dame gerade erst aufgestanden und bei ihrem Frühstück porträtiert worden. Noch nicht angekleidet, scheint sie leicht zu frieren.1
Die intime Darstellung deutet darauf hin, dass die Miniatur für den Geliebten der Dame gemalt wurde. Mit seinem Fernsein scheinen ihre Gedanken beschäftigt, wie der traurig-sehnsüchtige Blick vermuten lässt. Um das Private der Szene hervorzuheben, stellte der Künstler die Dame in einem nur schummrig beleuchteten Innenraum dar. Am oberen Bildrand malte er einen gebauschten Vorhang. Dieser ist zwar bei näherer Betrachtung reine Staffage, doch scheint er im Raum eine Art Alkoven abzutrennen, in den sich die Schöne zurückgezogen hat.
Die Miniatur wurde vermutlich von einem deutschen Künstler gemalt, der sich, wie in seiner Zeit üblich, an der Malerei Frankreichs orientierte. Porträts, die nicht so sehr den Stand der Dargestellten betonen als vielmehr ihren Geschmack und Esprit und die sie in häuslichem Ambiente zeigen, waren dort seit der Epoche Ludwigs XV. beliebt.
B. P.