Marie de Bourguenoud
François Antoine Romany
Romany malte das Bildnis der Marie de Bourguenoud vermutlich in seinem Atelier in Paris,1 versetzte die Dame in der Miniatur aber in die stimmungsvolle Atmosphäre eines schattigen Parks. Der sehnsüchtige Blick und das Rosenbouquet verdeutlichen, dass die Miniatur ein Zeichen der Zuneigung sein sollte.
Dunkles Gehölz als Hintergrund, freie »klecksige« Malweise in der Kleidung sowie große Augen und kleiner Mund mit stark geschwungener Lippenlinie zeigen Romanys Nähe zu Werken Halls, der die Pariser Miniaturmalerei von den späten 1760er Jahren an nachhaltig prägte.2 Durch seinen Freund Adolf Ulrik Wertmüller machte Romany Bekanntschaft mit dem Kreis schwedischer Künstler, die in Paris arbeiteten, und lernte so auch Hall kennen.3 Wie dieser wurde auch Romany von dem durch die Revolution verursachten Schwinden der Auftraggeber stark getroffen. So schreibt er im Juli 1789 an Wertmüller: »Sie haben nicht viel verloren, dadurch dass Sie diese Gegend verlassen haben, denn in Wahrheit tut man hier absolut nichts, und wenn das so weitergeht, sind die Künstler am Ende [...]«.4 »Hall beklagt sich, und er ist nicht der einzige«.5 Romany unterstützte zwar die Ideen der Revolution, heiratete 1790, als die vorliegende Miniatur vermutlich entstand, aber die legitimierte Tochter eines Marquis de Romance. Die hohe Mitgift von 40' 000 Livres musste ihm in seiner schlechten wirtschaftlichen Lage willkommen sein. Wenige Jahre später wurde diese Vernunftheirat allerdings wieder aufgelöst.6
B. P.