The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Dame in blauem Kleid

Louis Marie Sicard, gen. Sicardi

Harmonisch in das kleine Oval eingefügt, fasziniert dieses Mädchenbildnis durch seine Wärme und offene Direktheit. Unprätentiös sind Pose und Mimik, der Schmuck beschränkt sich auf die Fliederblüten im Haar, und als Hintergrund wurde eine graubraune Fläche gewählt. Die Dargestellte trägt das Haar entsprechend der Mode hochfrisiert mit seitlichen Lockenrollen, aber ungepudert. Dies war in Frankreich unüblich, mag hier aber der Jugend des Mädchens geschuldet sein.

Haar und Kleidung erlauben eine Datierung der Miniatur in die frühen 1780er Jahre. Die Frisuren wurden nun wieder bequemer, verglichen mit der oft grotesk anmutenden Überhöhung in den späten 1770er Jahren. Unter dem geschnürten blauen Mieder trägt die junge Unbekannte ein leichtes Hemd, dessen Ärmel die Schultern unbedeckt lassen.

In den frühen 1780er Jahren übernahm Sicardi Pasquiers Stelle als offizieller Miniaturmaler für das Außenministerium.1 Er malte etliche Bildnisse des Königs, die auf Dosen montiert wurden und als diplomatische Geschenke dienten. Da diese Porträts nur wenige Zentimeter messen durften, eignete sich Sicardi als Künstler ganz besonders, denn er verstand es, selbst kleinste Details mit großer Genauigkeit wiederzugeben.

Die Goldfassung ermöglichte das Tragen der Miniatur an einer Kette. Es ist aber auch denkbar, dass der Aufhänger nachträglich appliziert wurde und die Rahmung ursprünglich das Tragen als Brosche vorsah.2

B. P.

1 Vgl. Lauraine 2008, S. 91.

2 Eine als Brosche gefasste Miniatur ist in Joseph Dorffmeisters Porträt der Maria Ludovica von Neapel von 1797 (Kunsthistorisches Museum, Wien) zu sehen, eine als Anhänger gefasste in Heinrich Friedrich Fügers Porträt von Kaiserin Maria Ludovica von 1792 (Szépmüvészeti Múzeum, Budapest).