The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Dame mit federgeschmücktem Hut

Jean-Baptiste Soyer

Soyer gehört zu den Miniaturmalern, dessen Werke man mühelos erkennt, auch wenn er sie beinahe nie signierte. Charakteristisch sind ein in warmem Rot gemalter, lieblich geschwungener Mund, kugelig schattierte Augäpfel mit aufmerksam blickender, runder Iris und mit scharfem Strich gesetzte Lichter in Deckweiß auf weißen Geweben. Das Glanzlicht im Auge setzte der Künstler immer dicht am Oberlid als winzig kleinen Punkt. Soyer hatte eine Vorliebe für ins Blaugrüne neigende Gründe, vor denen sich die in frischen Farben gemalten Modelle lebendig abheben. Zwar besitzen viele Miniaturen des Künstlers durch Wiederholungen in der Gesichtsphysiognomie eine Art »Familienähnlichkeit«, doch verstand er es in herausragender Weise, seinen Modellen einen fröhlichen, dennoch noblen Ausdruck zu verleihen. Mit insgesamt 15 Miniaturen des Künstlers sind in der Sammlung Tansey vermutlich die meisten Werke Soyers weltweit vereint.

Das Bildnis der unbekannten Dame mit den Straußenfedern im Haar entstand ziemlich genau um das Jahr 1783. Die kugelförmige Frisur mit den seitwärts auf die Schultern fallenden Lockenrollen und der Federschmuck waren in diesem Jahr in Paris groß in Mode. Auffallend differenziert ist das weiße Brusttuch gestaltet, das mit Streifen aus glänzender Seide belebt ist. Es lässt das darunterliegende Dekolleté verführerisch durchschimmern. Der Künstler scheint die Miniatur nicht vollendet zu haben. Die Stelle des Spitzenbesatzes am rechten Ärmel blieb unbemalt. Auch die deutlich sichtbare Struktur des Hintergrunds in horizontalen Pinselstrichen hätte bei einem weiteren Arbeitsschritt bestimmt noch verfeinert werden müssen.

B. P.