Herr in schwarzem Gewand mit weissem Kragen
Franciszek Smiadecki
Franciszek Smiadecki schuf seine kleinformatigen Porträts nicht in der eigentlichen Miniaturmaltechnik mit Wasserfarben, sondern in der Art holländischer Künstler in Öl. Sie sind in frischen Farben und mit prägnanten Kontrasten gestaltet, und die Modelle treten plastisch hervor. Eine Eigenheit Smiadeckis ist die Gestaltung des Hintergrunds: In einigen seiner Porträts erscheint das Modell – wie in den beiden Werken in der Sammlung Tansey – vor einem blauen, leicht bewölkten Himmel. Diese Art Hintergrund war zwar in der Wasserfarbenminiatur damals verbreitet, in der Ölminiatur hingegen überaus selten. Im vorliegenden Werk ließ der Maler den Himmel in eine Landschaft mit Hügelkette und einer Schlossanlage oder Stadt übergehen. Ob hier reale Gebäude zu sehen sind oder eine Phantasiestaffage, muss dahingestellt bleiben. Wie alle seine Dargestellten gab Smiadecki auch diesen Herrn mit strenger und ernster Miene wieder.1 Obwohl dieser sein Gegenüber scheinbar ohne Gemütsregung anschaut, liegt in den markanten, beinahe harten Zügen eine Weichheit, die anspricht.
Obwohl unsigniert, kann dieses Herrenporträt aufgrund stilistischer Kriterien und der speziellen Hintergrundgestaltung bedenkenlos Smiadecki zugeordnet werden. Es zeigt klar definierte Formen und farblich deutlich voneinander abgegrenzte Bildbereiche. Jede Bildpartie besitzt ihren eigenen »Wert« und wurde minutiös gestaltet.
B. P.