Dame auf Sofa mit roten Kissen
Jules (Jean Marie) Vernet
Obwohl in der Miniaturmalerei aufgrund des privaten Gebrauchs der Bildnisse größere Freiheit in Pose und Kleidung bestand als in großformatigen Porträts, sind Darstellungen wie die Dame Vernets aus der Sammlung Tansey selten. Die junge Frau ruht auf einem üppig mit Kissen bepolsterten Sofa, 1 blickt den Betrachter lächelnd an und greift mit ihrer linken Hand an die nackte Brust. Das reiche Interieur und die konträrfarbigen Stoffdrapierungen lassen zusammen mit der verführerischen Pose der Dame darauf schließen, dass hier eine Kurtisane in der von ihren Liebhabern ausstaffierten Wohnung dargestellt wurde. Das Bildnis lässt an den etwa zehn Jahre später geschriebenen Roman "Die Kameliendame" von Dumas denken; es wurde vermutlich für den Liebhaber als Erinnerung an beglückende Momente angefertigt.
Vernet gehört zu den künstlerisch anspruchsvollen Miniaturisten des 19. Jahrhunderts. Seine Posen sind ausgesprochen vielfältig, die manchmal mehrfigurigen Bildnisse sind erfindungsreich und ungewohnt komponiert und mussten den Künstler dadurch vor stets neue Schwierigkeiten stellen. Die Damen in Vernets Werken sind häufig bewusst verführerisch dargestellt. Sie verdeutlichen den Anspruch des Künstlers, das Modell nicht nur wirklichkeitsgetreu, sondern auch emotional fesselnd zu malen.
B. P.