The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Herr in schwarzem Rock mit schwarzer Halsbinde

Cécile Villeneuve, geb. Colombet

Cécile Villeneuve malte das Bildnis des dunkelhaarigen jungen Mannes nach einer fotografischen Vorlage, einer Daguerreotypie. Sie ersparte dem Auftraggeber das langwierige und mühsame Modellsitzen und verkürzte auch den Zeitaufwand beim Malen, denn die Züge des Porträtierten konnten rascher und genauer übertragen werden. Es ist denkbar, dass nicht nur praktische Gründe für diese Vorgehensweise ausschlaggebend waren, sondern auch die Tatsache, dass der Auftraggeber die Miniaturistin gar nicht aufsuchen konnte. Vielleicht lebte er weit entfernt oder er war bereits verstorben, und Villeneuve erhielt den Auftrag von einer ihm nahestehenden Person.
Die Künstlerin verheimlichte die Verwendung der Vorlage nicht, sondern vermerkte das mechanische Hilfsmittel gleich hinter ihrer Signatur: »d’après Dag[uerréo]type«. Das Resultat mutet tatsächlich etwas leblos an. Die nach der Natur gemalten Porträts der Miniaturistin sind in der Regel lebendiger und erwecken den Eindruck, als besäßen die Dargestellten ein Seelenleben. Das menschliche Auge und das Einfühlungsvermögen waren damals einer Maschine noch weit überlegen. Erst Jahrzehnte später war die Kunst der Porträtfotografie so weit entwickelt, dass sie der gemalten Miniatur nicht nur oberflächlich eine größere äußerliche Ähnlichkeit voraushatte, sondern durch kürzere Belichtungszeiten auch das Wesen eines Menschen besser einfangen konnte.
B. P.