The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Frau von Frisching-von Wattenwyl

Joseph Desvernois (zugeschrieben)

Obwohl vom Künstler dieser Miniatur zahlreiche Werke erhalten sind, war er lange Zeit unbekannt.1 Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden sie von Joseph Desvernois gemalt, einem aus Lons-le-Saunier gebürtigen Künstler, der sich ab etwa 1787 für ein gutes Jahrzehnt in der Westschweiz etablierte. Von hier aus reiste der Künstler vermutlich nach Bern, wo er das Bildnis der Frau von Frisching, geborene von Wattenwyl gemalt haben dürfte.2 Der Künstler war weitherum unterwegs: Man findet seine Spuren in Italien, Deutschland und Frankreich, möglicherweise arbeitete er auch eine Zeitlang in Schweden.3
Auffallende Charakteristika der Desvernois zugeordneten Werkgruppe sind die freie lineare Vorzeichnung in grauem Stift und die eigentümliche Augenform. Diese trug dem Miniaturisten den Beinamen «Meister der Miniaturporträts mit melancholischem Blick« ein. Nach neueren Erkenntnissen ist der Meister dieser Werke auch der Autor der »Profilporträts in der Art von Bourgeois«,4 von denen sich in der Schweiz ebenfalls eine große Zahl befindet, und die dieselbe freie Unterzeichnung in grauem Stift und ähnlich flauschige, in Aquarellfarben gestrichelte Haarmassen zeigen.
B. P.

1 Die Werkgruppe ist besprochen bei Bernd Pappe, »Les miniaturistes de l' aristocratie bernoise«, in: Genoud 1999, S. 88-89 und S. 102. Wir danken Henry-Noel Canival, Paris, herzlich für seine Nachforschungen über den Künstler und seine Familie.
2 Von Frisching und von Wattenwyl sind bernische Adelsgeschlechter. 1802 nahm der aus Basel gebürtige Miniaturmaler Paul Frédéric Caselli (1775-1817) in Bern Unterricht bei Desvernois. Siehe Lettres de Frédéric Caselli 1800-1813, transkribiert von Rémi Quesnel, Fondation Mémoires d’Ici, Saint-Imier.
3 Desvernois malte beispielsweise die Prinzessin Charlotte de Rohan-Rochefort (zugeschrieben, Musée Condé, Chantilly, Inv.-Nr. OA 413) und König Gustav IV. Adolf von Schweden (Nationalmuseum Stockholm, signiert und datiert 1803, Inv.-Nr. NMB 2196). Eine Serie seiner Werke, die er am hessen-darmstädtischen Hof ausführte, ist abgebildet in Biermann und Brinckmann 1917, Nr. 225-228.
4 Diese wurde bislang als von einem anderen Künstler gemalt betrachtet. Vgl. Bernd Pappe (wie Anm. 1), S. 88 und S. 102.