Dame in weißem Kleid
Louis Alexandre
Dieses unsignierte Damenbildnis ist aus stilistischen und maltechnischen Gründen dem bislang wenig beachteten Künstler Louis Alexandre zuzuordnen. Charakteristisch sind die sehr glatte und scharfe Modellierung des Inkarnats, neben deutlich breiterer Malweise in Kleid und Hintergrund, sowie die Augenform, die der Dame einen sphingenartig intensiven Blick verleiht. Das Kolorit des Inkarnats und die frei vermalte Gouachefarbe erinnern an Werke von François Dumont, dessen Schüler Alexandre war.1
Man mag sich heute fragen, ob die unnatürliche Grünfärbung des Gesichts vom Künstler so beabsichtigt war oder ob sie während der Alterung des Werks entstand. Ein Blick in die Liste der für die Miniaturmalerei empfohlenen Farben zeigt, dass etliche Töne aus pflanzlichen und tierischen Ausgangsprodukten hergestellt wurden. Dazugehörten etwa Krapplack und Karmin in der Palette der Rottöne, Indigo und Blauholz bei den Blautönen sowie Schüttgelb und Indischgelb für Nuancen dieser Farbe. Diese waren sehr feinkörnig und eigneten sich deshalb für die Miniaturmalerei, allerdings hatten sie den Nachteil, unter Lichteinwirkung nach und nach auszubleichen. Einige gut erhaltene Werke von Alexandre und Dumont lassen Rückschlüsse auf die ursprünglich vom Künstler beabsichtigte Farbgestaltung zu. Die Gesichter besaßen zwar tatsächlich grünliche oder bläuliche Halbschatten, waren aber generell rottoniger, mit tiefen Schatten in einem intensiven Rotbraun.
B. P.