Dame an Tischchen mit Blumenstrauß
Jean-François-Marie Huet-Villiers
Miniaturisten waren Spezialisten in der Darstellung des menschlichen Antlitzes, lassen bei der Wiedergabe von Händen oder Hintergrunddetails aber oft verblüffende Mängel erkennen. Huet-Villiers verfügte auf beiden Gebieten über große Begabung. Seine Miniaturen zeigen häufig mehr als die Büste des Modells; die Hände werden mit einbezogen und geben zusammen mit dem individuell gestalteten Hintergrund Hinweise auf spezielle Interessen oder die Gefühlswelt des Modells.1 Die Dame in weißem Kleid mit dem während der Entstehungszeit der Miniatur modischen Schulter-und Brustband hält in der rechten Hand eine Rose, Symbol der Liebe, und stützt sich auf ein Tischchen mit einem Blumenstrauß. Einzelne Stiefmütterchen liegen ungeordnet daneben; sie versinnbildlichen die gedankliche Vergegenwärtigung einer abwesenden Person. Ein grüner Vorhang gibt rechts den Ausblick frei auf eine bewaldete Uferlandschaft. Möglicherweise wollte die Dame in der Miniatur auf einem Landsitz in Seenähe dargestellt sein oder aber die Miniatur in Erinnerung an einen Abschied malen lassen, der mit einer Schiffsreise verbunden war, wie sie in den bewegten Jahren der Französischen Revolution von vielen Aristokraten ins sichere Ausland angetreten wurde.
B. P.