The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Eléonore Louise Marquise du Hallay (nach Nattier)

Französisch

Der Maler dieser aussergewöhnlichen Darstellung kopierte im Kleinstformat ein 1751 gemaltes Porträt von Jean-Marc Nattier, das die Marquise du Hallay darstellt.1 Die Miniatur weicht nur geringfügig vom Original ab: Die Frisur der Dame ist in der Miniatur etwas voluminöser und im Hintergrund wurden die Säulen und der Vorhang seitlich angestückt, denn Nattiers Vorlage zeigt einen schmaleren Raumausschnitt.
Eléonore Louise Le Gendre de Berville (1740-1761) heiratete 1761 Emmanuel Agathe Du Hallay (1739-1826).2 Sie starb im gleichen Jahr an der Geburt ihres Sohnes Emmanuel Louis Eléonore Agathe. Die Dame ist in Nattiers Porträt erstaunlicherweise als Elfjährige dargestellt. Sie wirkt jedoch wesentlich älter, was an der Benennung des Modells oder der Datierung des Gemäldes zweifeln lässt.
Der Ruhe der Säulen in der linken Bildhälfte steht die Bewegtheit des stoffreichen grünen Vorhangs gegenüber, der sich in vielen Falten bauscht und aus dem die Dargestellte hervorzukommen scheint.3 Er legt sich ihr über Schulter und Brust, und sie fasst mit beiden Händen in die üppige Stoffmenge, als wolle sie dort Halt suchen. Die Darstellung ist trotz der klassischen Bildelemente für ein Herrscherporträt ungewöhnlich. Die lebendig und ungezwungen wirkende Dame lässt eher Assoziationen zu einer Schauspielerin aufkommen und damit Säulen und Vorhang als Requisiten einer Bühne erscheinen.
J. S. O./B. P.

1 Das Gemälde gehörte früher Comte de Brigode (1850-1937), Château de Follembray, dessen Mutter Annette du Hallay-Coëtquen war. Es wurde verkauft bei Galerie Charpentier, Paris (vente Modave), am 12. Juni 1936, Nr. 17, und erneut bei Artcurial, Paris, am 23. März 2017, Nr. 142. Wir danken Herrn Ólafur Thorvaldsson, Cambridge, sehr herzlich für seine umfangreichen Nachforschungen zu dieser Miniatur.
2 Sie wurde am 3.2.1740 geboren. Eine Plakette am Rahmen von Nattiers Gemälde nennt irrtümlicherweise "1741" als Geburtsjahr der Dame.
3 Säule und Vorhang gehören zur Staffage des Herrscherporträt - insofern läge es nahe, in der Dargestellten die Angehörige eines regierenden Hauses zu sehen. Hinweise auf eine Ähnlichkeit mit der späteren Gemahlin Friedrichs des Großen, Elisabeth Christine von Braunschweig-Lüneburg-Bevern, einer Schwester von Ferdinand und Therese Natalie, erwiesen sich allerdings als falsch.