The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Dame in weißem Kleid

Louis-Ami Arlaud-Jurine

Louis-Ami Arlaud-Jurine gehört zu den besten Miniaturmalern Genfs. Er erhielt seine künstlerische Ausbildung vermutlich bei Liotard, der ihn nicht nur in der Miniaturmalerei unterrichten, sondern ihm auch Fertigkeiten in der Öl- und Pastellmalerei vermitteln konnte. Für den weiteren Schliff seines Könnens reiste der Künstler nach Paris und besuchte dort das Atelier Viens. Kaum ein anderer Künstler zeichnete mit der Sicherheit Arlauds und hatte ein solch feines Empfinden für Farbharmonien. Er malte mit breitem Strich, der in der Vergrößerung den Eindruck erzeugt, dass ihm das Malen von Miniaturen anscheinend ein Leichtes war.

Das Bildnis der jungen Frau mit der gepuderten Lockenperücke trägt zwar die Signatur »HFriedrich Füger«, stammt aber offensichtlich nicht von der Hand des Wiener Virtuosen. Es wurde am Anfang der 1790er Jahre gemalt, bevor Arlaud nach London übersiedelte. Es zeigt das Modell in gänzlich ruhiger Haltung und mit verträumtem Ausdruck. Zu der sentimentalen Darstellung passt der lichte wolkige Himmel, der gegen den Horizont in ein zartes Rosa übergeht. Links ist ein vom Wetter gekrümmter Baumstamm zu erkennen, rechts in der Ferne helle Baumkronen.

Arlaud gehört zu den wenigen Künstlern, die ihre maltechnischen Kniffe schriftlich festhielten. Der Künstler machte die Einträge zwischen 1815 und 1828 ausschließlich zu seinem eigenen Nutzen. Das 124 Seiten umfassende Notizheft stellt heute eine wichtige Quelle zur Kenntnis der Materialien und Herstellungstechniken von Miniaturen dar.1

B. P.

1 Das Manuskript gelangte 1914 aus dem Besitz der Familie des Künstlers an das Musée d’art et d’histoire, Genf. Ein Selbstbildnis Arlauds befindet sich ebenfalls in diesem Museum, ein Porträt, das Janin von ihm malte, im Kunst Museum Winterthur.