The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Knabe mit dem Hubertustorden

Johann Friedrich Ardin

Das winzige Emailporträt eines unbekannten Knaben kann aufgrund stilistischer Kriterien Johann Friedrich Ardin zugeordnet werden. Das leuchtende Kolorit und die überaus sichere Pinselführung – man beachte die präzise Zeichnung der Haarlocken – sind Kriterien, die man auch in anderen Werken des Malers antrifft. Ardin bevorzugte außerdem hellblaues Contre-Email, das auch die Rückseite dieses Bildnisses abdeckt. Der etwa Zwölfjährige ist standesgemäß und wie ein Erwachsener gekleidet: Er trägt über dem Kürass einen purpurnen Umhang mit Hermelindoublierung. Über die linke Schulter ist das rote, grün geränderte Band des Hubertusordens gelegt, dessen Bruststern über dem Harnisch erkennbar ist. Eine lange gepuderte Lockenperücke verdeutlicht zusätzlich den Stand des Jungen und täuscht über sein kindliches Alter hinweg. Umhang und Orden verdeutlichen, dass es sich bei dem Knaben um einen Prinzen handelt. Dank des Ordens kann das Werk zeitlich etwas genauer eingestuft werden. Es kann nicht vor 1708 gemalt worden sein, denn der Hubertusorden wurde am 29. September dieses Jahres von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz feierlich reaktiviert, nachdem er fast ein Jahrhundert lang in Vergessenheit geraten war.1 Er wurde für besondere Loyalität zum Fürsten und für außerordentliche Verdienste verliehen.

B. P.

1 Die Ordensgründung 1444 wurde von Gerhard Graf von Ravensberg und Herzog von Jülich-Berg veranlasst.