Dame mit blumengeschmückter Haube
François Hippolyte Desbuissons, genannt Hipolite
In diesem 1783 gemalten Porträt stellte der unter dem Künstlernamen Hipolite auftretende Miniaturist eine unbekannte junge Frau in blauem Kleid mit großer weißer Schleife dar. Auf ihrer gepuderten Perücke trägt sie eine eigenwillig verzierte Haube aus Tüll: Der Schmuck aus weißen Rosen und blauen Blüten (vermutlich Kornblumen) ist streng über der Stirn in zwei Partien geteilt, wobei auf der Seite der blauen Blumen noch zusätzlich blau-weiße, federartige Gebilde die Haube zieren. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Dame mit diesem Haarschmuck dem Empfänger der Miniatur eine Botschaft hätte übermitteln wollen.
Die Farbgestaltung im Inkarnat ist beinahe monochrom, ganz ähnlich der in Hipolites Profilbildnissen. Ob diese Blässe beabsichtigt war oder aber ein durch das Ausbleichen lichtempfindlicher Pigmente hervorgerufener Effekt ist, kann nicht abschließend beurteilt werden.
Die Damenmode der 1780er Jahre stellte Porträtisten und gerade Miniaturmaler vor gestalterische Probleme: Wie waren die hohen Frisuren mit ihrem Zierrat ins Bild zu setzen, ohne dabei den Kopf allzu stark zu verkleinern oder nach unten zu rücken? Hipolite entschied sich für das Wahren der Proportion zwischen Büste und Bildfläche und nahm dabei in Kauf, dass die Haube angeschnitten wurde.
B. P.