The Tansey Miniatures Foundation

The Tansey Miniatures Foundation

Dame mit Enziansträußchen

Nicolas Allais, genannt Hallé

Auch dieses Werk Hallés ist nicht signiert, aber durch die charakteristische Malweise dem Künstler zuzuordnen. Die Kleidung weist die Dargestellte als eine Schauspielerin aus: Sie trägt ein auf Effekt bedachtes, überaus reich mit Steinen und Perlen verziertes Kleid.1 Perlenschnüre zieren auch ihre Arme und das Haar. Über den Schultern trägt sie eine glänzende Seidenschärpe. In dieser Weise waren auf der Bühne Heldinnen der Antike gekleidet. Im wirklichen Leben wäre während der Revolutionsjahre eine solch ostentative Zurschaustellung von Luxus nicht ratsam gewesen.

Nicolas Hallé, der eigentlich Allais hieß, konnte erst 2025 identifiziert werden.2 Zweifelhafte Berühmtheit erlangte er im späten 19. Jahrhundert durch die Publikation des Scheidungsantrags seiner Gattin.3 Der Künstler heiratete 1782 die gebürtige Deutsche Barbe Rommel, die ein beträchtliches Vermögen in die Ehe brachte. Ihr Herz gewann er, wie sie angibt, einerseits durch seine äußerlichen Vorzüge, anderseits durch die Vorspiegelung angeblich hoher Einkünfte. Bald schon sah sich die Braut aber betrogen: Ihr Mann verspielte ihr Geld, unterhielt auf ihre Kosten ein Verhältnis mit einer Tänzerin und griff sie sogar tätlich an. Neben dem Streit der Eheleute enthält die Polizeiakte aber auch Biographisches über den Künstler: In den frühen 1780er Jahren arbeitete er wiederholt in Brest. In Paris wohnten die Eheleute im Künstlerquartier an der Rue Richelieu, später bezog Hallé eine Wohnung an der Rue Niçaise.

B. P.

1 Vgl. Madame Saint-Huberty als Dido in ähnlicher Aufmachung, 1785 von Anne Vallayer-Coster gemalt (The Metropolitan Museum of Art, New York).
2 Siehe Henry Noël Canival, Nathalie Lemoine-Bouchard, „Peintre en miniature: Nicolas HALLÉ, un nom d’emprunt prestigieux pour un artiste à présent identifié“, in: Lettre de la Miniature, 85, 2025, S. 3-9.
3 Vgl. Guiffrey 1888.