Dame an Brunnen
François Dumont
Dieses in verschiedener Hinsicht außergewöhnliche Porträt zeigt eine junge Frau in einem Park. Sie posiert an einem Brunnen, aus dem Wasser über mehrere Becken herabplätschert und ihre Hand bespritzt. Mit einem Bein steht sie auf einer Stufe, es ist deshalb angewinkelt und zeigt ihren entblößten Unterschenkel. Die Schöne ist nur leicht bekleidet: Ihr Chemisenkleid – hier eher ein Unterhemd mit kurzen Ärmeln – hat sie halb ausgezogen, ihr Busen ist entblößt. Der sehnsüchtig-verträumte Blick der Dame passt zu ihrer aufreizenden Pose. Ohne jede Scham schaut sie zum Bildbetrachter, als wollte sie ihn einladen, sich mit ihr am Brunnen zu tummeln.
Die Wiedergabe der Frisur bildet im Werk einen Fremdkörper. Die Locken sind mangelhaft gezeichnet und zeigen nicht die Hand des Künstlers. Die nähere Betrachtung bestätigt, dass es sich hier um eine spätere Abänderung handelt. Denkbar wäre, dass das Modell ihre in der Miniatur getragene Frisur als altmodisch betrachtete und einen anderen Künstler damit beauftragte, sie der neuen Mode anzupassen.
Das Werk nimmt in Dumonts Schaffen eine Sonderstellung ein. Der Künstler malte zwar häufig recht sinnliche Damenporträts, aber solch unverblümt erotische Miniaturen sind selten.1 Ganz offensichtlich war die Miniatur für den Liebsten der Dame bestimmt. Die Dargestellte bleibt leider eine Unbekannte. Dumont legte zwar eine Liste seiner zwischen 1788 und 1828 gemalten Porträts an,2 sie enthält aber meistens nur die Namen der Modelle und die Preise der Werke, so dass nur in Ausnahmefällen ein Bezug zwischen Miniaturen und Kundenliste hergestellt werden kann.
B. P.