Herr mit rotbraunem Umhang
Charles Boit
Charles Boit war zweifellos einer der begabtesten und zu Recht bereits zu Lebzeiten gepriesenen Emailmaler um die Wende zum 18. Jahrhundert. Geboren und aufgewachsen in Stockholm, absolvierte er zuerst eine Goldschmiedelehre, bildete sich danach aber zum Emailmaler aus. Als Zwanzigjähriger kehrte er seiner Heimat den Rücken, und es begann für ihn eine unvergleichliche Karriere. Die Mächtigen Europas rissen sich geradezu darum, von ihm porträtiert zu werden, und der Maler erlangte neben Ruhm auch Reichtum. Nachdem er sein Können an verschiedenen Höfen unter Beweis gestellt hatte, zwangen ihn sein verschwenderischer Lebensstil und die damit einhergehende Verschuldung, vor seinen Gläubigern zu fliehen. Er entkam nach Paris, erlangte hier die Protektion von Philippe d’Orléans und schaffte es sogar, in die Königliche Akademie aufgenommen zu werden. In seinem Atelier wurden unter anderem Christian Friedrich Zincke und Martin van Mijtens ausgebildet.
Das Herrenporträt malte Boit vermutlich während seines zweiten Aufenthalts in London, der von ungefähr 1704 bis 1714 dauerte.1 Es zeigt stilistische Übereinstimmungen mit Werken des Porträtmalers Godfrey Kneller, und es würde nicht erstaunen, wenn Boit eines der Bilder dieses überaus produktiven Künstlers als Vorlage benutzt hätte. Das Emailporträt zeigt den Herrn in einer damals beliebten Pose, mit ins Profil gerücktem Körper und dem Betrachter zugewandtem Kopf. Um die Überlegenheit des Modells zusätzlich zu betonen, drapierte der Künstler einen schweren Samtumhang über seine Schulter.
B. P.